Freedom Call beehren das Zürcher Oberland – eine Happy Metal Party ist garantiert

Dragonhammer

Langsam kann ich mir dann eine Wohnung in der Gegend hier suchen: das dritte Mal innerhalb einer guten Woche, in der ich ins gemütliche Hall of Fame pilgere. Aber die Macher des Ladens bieten auch wirklich gutes Programm: nach Battle Beast in der Vorwoche und Kissin‘ Dynamite am Vortag, ist an diesem Samstagabend jetzt Power Metal angesagt. Genauer: Happy Metal! Freedom Call sind angesagt – und viele gut gelaunte Fans folgen diesem Aufruf!
Vorfreude verspricht der Name der ersten Band: DragonhammeR! Die Herren kommen aus Rom, und wenn sie nur annähernd so spielen, wie man das bei diesem Namen erwartet, dann könnte das grossartig werden. Nun denn – keyboardlastiger Power Metal wird auch tatsächlich dargeboten. Allerdings ist da nichts Spektakuläres oder Aussergewöhnliches zu hören, leider. Sänger Max Aguzzi ist auch noch stimmlich angeschlagen und wünscht deshalb etwas Mithilfe des Publikums, welche er auch bekommt. Nach 40 Minuten ist der Auftritt vorbei und meine Erwartungen sind nur teilweise erfüllt. Sicher nicht schlecht, aber da müsste noch mehr drin liegen.

Crown of Glory

Band Nummer zwei des heutigen Abends ist eine ganz andere Geschichte. Die Luzerner
Crown of Glory sind in heimischen Gefilden zwar längst keine Unbekannten mehr, aber ich bin schon etwas überrascht, dass doch eine stattliche Anzahl Fans den Weg nach Wetzikon offenbar vor allem wegen ihnen auf sich genommen haben. Somit gute Voraussetzungen für gute Laune…
Und diese gute Laune hat wohl wirklich jeder im anständig gefüllten Laden! Ich muss ja zugeben, dass ich mit dem Material nicht wirklich vertraut bin, aber meinem Nacken gefällt das jedenfalls, was er durch die Ohren zu hören bekommt… Sehr beeindruckend ist Fronter Hene Muther, der eine starke Leistung zeigt – sowohl als Sänger wie auch als Entertainer. Dem Kerl sieht man den Spass an der Arbeit richtig an! Wobei das natürlich auch für die übrigen fünf Mitglieder zutrifft, selbst Basser Jonas – meist leicht versteckt neben den Drums – wagt sich zwischendurch nach vorne…
Die Ballade „Save me“ sorgt für etwas Beruhigung im Publikum, aber die dauert nicht lange an. Beim vorletzten Song  „The End of the Line“ schnappt sich Tastenmann Philipp ein Umhängekeyboard und beansprucht da noch zusätzlichen Platz auf der eh schon (zu) kleinen Bühne… Aber der Spass ist auch da nicht wegzureden!
Da ich wie gesagt die Songs nicht wirklich kenne, ist für mich die Show vielleicht ein paar Minuten zu lang - der grösste Teil des Publikums geniesst jedoch jede der (für eine Vorgruppe stattlichen) 55 Minuten. Mein absoluter Favorit ist „One fine Day“ und ich nehme mir vor, mich endlich mal intensiver mit der Mucke von Crown of Glory zu beschäftigen! Insgesamt kann man heute nur beide Daumen nach oben halten: starker Auftritt!

Freedom Call

„Echte“ Metaller motzen gerne rum über die fröhlichen Töne, die Bands wie
Freedom Call gerne von sich geben. Aber „erstaunlicherweise“ sorgt genau dieser Happy Metal immer und überall für grossartige und ausgelassene Stimmung…?
Im Hall of Fame soll es an diesem Abend nicht anders sein… Die vier spielfreudigen Franken legen los mit „Union of the Strong“ und ja: sie versprühen die gute Laune richtiggehend - dies ändert sich auch in den folgenden knapp 90 Minuten nicht mehr.

Im Fokus der Setlist steht natürlich ihr bereits 13-jähriges Album „Eternity“, welches im Frühjahr 666 Wochen alt wurde. Insgesamt sechs Songs daraus werden heute gespielt.
Böse Zungen könnten behaupten, dass bei Freedom Call eh jeder Song wie der andere tönt. Dem ist natürlich nicht so, und so habe ich zu Beginn irgendwie das Gefühl, dass der „Gute Laune Funken“ von der Bühne noch nicht richtig aufs Publikum überspringt. Erst mit „Metal Invasion“ kommt richtig Bewegung in die Geschichte – und ab da wird’s richtig gut! Chris Bay läuft zur Hochform auf, seine Ansagen sind der Hammer. Der gespielte Grössenwahn ist herrlichst: mehrfach betont Chris, dass sie endlich da spielen dürfen, wo sie hingehören: in die HALL OF FAME! Tobias Sammet und Joakim Brodén: ihr kriegt Konkurrenz…!
Basser Ilker Ersin hat ebenfalls ein Grinsen in sein Gesicht gemeisselt, Lars Rettkowitz ist der coole Counterpart und Ramy Ali drischt auf seine Kessel ein, als gäbe es kein Morgen. Das alles jetzt kombiniert mit Titeln wie dem grossartigen „The Quest“ oder dem saugeilen „Power & Glory“, welches für die beste Stimmung bis zu diesem Zeitpunkt sorgt. Zwei, drei Nervensägen im Publikum fordern mittlerweile nach jedem Song „Mr. Evil“, aber diese Zwischenrufe werden von Chris schlicht ignoriert. Ich find das gut – denn „Mr. Evil“ ist meiner bescheidenen Meinung nach eh völlig überbewertet… Wirklich schade sind dann allerdings die vereinzelten Unmutsbekundungen, als das wunderschöne „Bleeding Heart“ als erste Zugabe angesagt wird. Naja, man kann es nie allen recht machen…
Doch zuvor wird bei „Tears of Babylon“ gehüpft und gesprungen und bei „Freedom Call“ gefeiert was das Zeug hält. Nach dem erwähnten „Bleeding Heart“ folgen nochmals zwei Klassiker von „Eternity“: bei „Warriors“ wird das Ende mehrfach gespielt, damit der Jubel auch RICHTIG gross ist! Schliesslich müssen die paar hundert Nasen jetzt den Lärm von 5‘000, 10‘000, 15‘000 Leuten machen… Denn dies sind Chris zufolge die normalen Zuschauerzahlen! Heute ist es ja nur ein Gig für ein paar Auserwählte…!

Beim abschliessenden „Land of Light“ geht zum letzten Mal die Post ab, ein besseres Ende eines FC-Konzertes kann’s eigentlich nicht geben! Das sehen wohl auch alle Beteiligten so und unter grossem Applaus verabschiedet sich der ausgepowerte Vierer vom Publikum. Und zwar nicht einfach mit Winken von der Bühne und weg – nein, Chris, Ilker, Ramy und Lars schütteln die Hände der Fans in den ersten Reihen und bedanken sich persönlich für den Support. Sehr sympathisch!

Damit endet die Happy Metal Party in Wetzikon und die Vorfreude auf ein neues Album von Freedom Call kann beginnen…

  Kaufi

Wetzikon, 12.12.2015
 
Hall of Fame, Wetzikon
Konzert mit
Freedom Call, Crown of Glory, Dragonhammer
12.12.2015

By Kaufi
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