Weselberg, 1.7.2016, by Maddin

 

Als ich am Arbeitsplatz erzählte, ich fahre am Wochenende in die schöne Pfalz auf ein Festival, erschlugen mich die uninformierten Kollegen geradezu hektisch mit Fragen, für welches „grosse“ Festival ich denn die weite Reise auf mich nehme.

 

Mit dem großen „P“ in den Event – Augen wurde ich von den Mega-Band-Süchtigen geradezu belagert, und sollte Info geben, weshalb sie denn darüber nichts wüssten - es wäre doch noch etwas Speicherplatz frei auf dem Foto - Handy.

Sie würden gerne mitkommen –man will ja kein Event verpassen!

Black Sabber? Red Hot Chili Kiffers? AB/CD? Egal – Hauptsache dabei!

 

Meine Antwort, dass es sich um ein kleines Festival mit familiärem Charakter handelt, sorgte für verwunderte und verächtliche Blicke, und als Antwort gab es ein mitleidiges „Ach, so...“.

Und dieses „Ach, so...“ ist wichtig - SO WICHTIG!

Denn: Es hat uns den Event - Pöbel vom Leib gehalten! Stattdessen rockten 400 tolle Leute die Pfalz!

 

Los ging es irgendwann nachmittags, und der Opener füllte die Bühne im wahrsten Sinne des Wortes. „Rock meets Brass“ nannte sich das Ganze. Ok - das ist nicht neu, aber diese Formation des heimischen Musik- Vereins, der auch das tolle Gelände zur Verfügung stellte, setzte sehr viel auf Klarinette und Saxophon, hatte zudem ein Schlagzeug dabei und performte neben den üblichen verdächtigen Hardrock – Legenden von AC/DC und Deep Purple u.a. auch „The Trooper“, was ich mit offenem Mund, sprich Faszination erlebt habe.

Das war mal richtig geil!!!

 

Weiter ging es mit der Alternative Truppe The Watching. OK - da kann der Rezensent nicht viel zu sagen. Alternative und Maddin, das ist so wie FCK und guter Fussball. Das geht nicht!

Obwohl - ging dann doch! Das, was die Truppe geboten hat, war nicht nur vom Stageacting toll präsentiert, es war tolle Musik und es war sehr, sehr professionell.

 

Dann kam Mike Gerhold - und da hatte ich große Bedenken! Nicht aufgrund des Künstlers. Doch das Prozedere des Veranstalters, dass wirklich jeder Act mindestens 90 Minuten spielt, machte mir Sorgen.

Schafft es jemand, der nur mit seiner Stimme und seiner Klampfe bewaffnet ist, das Publikum so lange bei der Stange zu halten?

AM ARSCH!! Mike hätte auch 3 Stunden spielen können und keiner der 400 Zuschauer wäre gelangweilt gewesen.

Ich könnte jetzt sagen, Mike hat 'ne geile Stimme - das würde es aber nicht treffen! Das ist mehr! Blablablub - zieht Euch den super sympathischen Kerl bei Youtube rein und fertig.

Wenn ich 50 werde, wünsche ich mir diesen Scheiss - Kerl mit seiner „I was made...“ Version!

Danke, Mike!

 

Danach war Poser Alarm angesagt. Midnite Sky sahen so aus und klangen wie Bon Jovi zu „7800 Fahrenheit“ Zeiten. Das war gut - und fertig. An den Songs müsste die Band noch ein bisschen arbeiten um das Niveau der Helden zu erreichen.

War aber dennoch ein geiler Gig und passte ins Bild.

 

Surrender the Crown wollte ich gar nicht sehen! „Zu modern“, dachte ich mir als alter verbohrter Hardrocker. Was für ein Scheiss! Nach 90 Minuten kam ich aus dem Hüpfen und Schreien nicht mehr heraus! Scheiss auf die müden, alten Knochen, was die Truppe, die ich mal als Szene - Fremdling irgendwo zwischen Disturbed und Limp Bizkit einordnen würde, da geboten hat, war geil und super professionell. Zudem ist die Combo nicht nur sympathisch, sondern irgendwie ECHT!

Und dann, ja dann - dann kamen Crown of Glory. Ich finde kaum Worte! Und dabei belasse ich es auch. Ich höre seit 35 Jahren harte Musik und mich kann heute wenig umhauen. Crown of Glory tun das! Und ich bin nicht nur begeistert, weil die Schweizer zu den nettesten Bands gehören, nein, auch wenn das alles Arschlöcher wären, würde ich ihre Musik und Göttergaben wie „King for a Day“ mit ins Grab nehmen.

Die Performance war perfekt! Es wurde gerockt, es wurde gebangt, es wurde einfach mal bewiesen, dass leicht progressiver Metal auch Party Stimmung verursachen kann.

Hopp Schwiiz!

 

Fazit:

Jeder wird in meiner Einleitung die Kritik an der momentan herrschenden Kultur des „Event“ verstanden haben. Fickt Euch!

 

Ein kleines Festival mit tollen Bands und ECHTEN Musikfans - das sorgt bei mir für Gänsehaut! Dafür reisen wir aus dem Pott auch im nächsten Jahr 350 KM!

 

 Es gibt sie noch, diese Idealisten, die so etwas machen!

 

 Support!

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Livereview Crown of Glory
Sicking High Rock, 25. Juni 2016
         Crown of Glory und Surrender the Crown (01.07.2016, Weselberg, Maddin)       
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